Altbausanierung als Dialog mit dem Bestand
Wiesbaden, Mainz und Frankfurt sind Altbau-Goldreviere. Gründerzeit-Häuser mit fünf Metern Raumhöhe, Stuck und Flügeltüren. Wilhelminische Stadtvillen mit englischen Treppenhäusern. Frühmoderne Bauten der zwanziger Jahre mit klaren Linien und großzügigen Fenstern. Wer im Rhein-Main saniert, arbeitet fast immer mit Substanz, die älter ist als der eigene Großvater – und die mehr verlangt als kosmetische Auffrischung.
Unser Ansatz: Bestand lesen, bevor man ihn verändert. Was war die ursprüngliche Idee des Hauses? Wo liegen die starken Räume, wo die nachträglichen Verschlimmbesserungen? Welche Schichten sind erhaltenswert, welche dürfen weichen? Erst aus dieser Analyse entsteht ein Sanierungskonzept, das die Geschichte des Hauses weiterführt – statt sie zu übermalen.
Was Altbausanierung methodisch verlangt
Bestandsaufnahme und Statik. Aufmaß, Schadenskartierung, Prüfung von Decken, Balken, Tragwänden. Bei alten Häusern ist nicht alles dort, wo der Plan es vermutet. Wir arbeiten eng mit Tragwerksplanern und Bauphysikern zusammen.
Denkmalrechtliche Auflagen. Bei Einzelkulturdenkmälern oder in Ensembleschutz-Gebieten reden wir früh mit der Unteren Denkmalschutzbehörde. Welche Bauteile sind geschützt? Wo sind Eingriffe möglich, wo nicht? Welche Materialien sind zugelassen? Diese Fragen klären wir in der Vorplanung – nicht im Bau.
Haustechnik im Bestand. Elektro, Heizung, Sanitär, Lüftung – im Altbau sind diese Themen anspruchsvoller als im Neubau. Schlitze in Bestandswänden, neue Steigschächte, Fußbodenaufbauten ohne Höhenverlust. Hier entscheidet die Detailplanung, ob die Sanierung funktioniert oder dauerhaft kompromissbehaftet bleibt.
Materialphilosophie. Eichendielen, Kalkputz, geölte Oberflächen, Naturstein. Wir wählen Materialien, die mit dem Bestand kommunizieren – nicht solche, die ihn dominieren. Das schließt zeitgenössische Materialien nicht aus: Stahl, Sichtbeton oder Spiegelflächen können in einem Altbau eine präzise Spannung erzeugen, wenn sie an der richtigen Stelle eingesetzt werden.
Referenzen aus dem Rhein-Main
VILLA A4 – denkmalgeschütztes Einzelkulturdenkmal in Wiesbaden, Generalsanierung mit vier Wohneinheiten bis 320 m². Sechs Jahre Planungs- und Bauzeit, enge Abstimmung mit der Denkmalbehörde, Erhalt historischer Stuckdecken, Türen, Treppenhäuser.
HAUS D7 – zwei Altbauten zusammengeführt zu einem Split-Level-Wohnhaus bei Mainz, 170 m². Ausgezeichnet als Best of Interior. Aus zwei Geschichten eine.
THE COLLECTORS APARTMENT – 130 m² Altbau in Wiesbaden, radikal transformiert. Sammlerwohnung mit kuratierten Objekten, in der die Schichten des Hauses präzise inszeniert wurden.
Bauzeitenplan und Genehmigungsrhythmus
Altbausanierungen brauchen Vorlauf. Denkmalrechtliche Genehmigungen laufen nicht im Wochentakt – wer hier sauber plant, vermeidet Stillstand auf der Baustelle. Wir takten Genehmigungs-, Werkplanungs- und Ausführungsphasen ineinander, sodass das Projekt im Fluss bleibt. Ein realistischer Bauzeitenplan entsteht in der Beratungsphase nach Sichtung des Objekts – Denkmalauflagen, Eingriffstiefe und Behördenwege bestimmen das Tempo mehr als jede Faustregel.
Mehr zu unserem Verständnis von Wohnprojekten finden Sie auf der Residential-Leistungsseite, regionale Details zu Wiesbaden auf der Wiesbaden-Seite.